BKA-Daten 98/99
Allgemeines
LSD (Lysergsäurediethylamid) ist nur bedingt eine Designer-Droge, da es trotz, rein synthetischer
Herstellung, noch einen kleinen Rest an natürlichen Grundbestandteilen des Mutterkorns
aufweist. Dennoch ist LSD einer der ersten Stoffe, der als illegale Rauschdroge direkt aus
den Laboren der chemischen Industrie (Sandoz) kam. Es gehört nicht zur Obergruppe der
Tryptamine, obwohl es durchweg halluzinogene Wirkungen hat.
In den 60er Jahren setzte sich LSD als eine der beliebtesten Drogen der Hippie-Bewegung
(turn on, tune in, drop out) durch. Seit 1967 ist LSD verboten und wird heute, nachdem es in
den 80er Jahren kaum eine Rolle spielte, wieder verstärkt mit Ecstasy in Zusammenhang
gebracht. Gängige Handelsnamen sind: »ACID«, »Mini Trip«, »Filz
Trip«, »Comic Trip«, »Dots«, »Pink Jesus«, »Purple
Wedges«, »Pink Dots«, »Morning Glory« oder »Trip«.
Es wird i.d.R. zusammen mit Wasser oral in Dosierungen zwischen 0,02 und 0,06 mg konsumiert.
LSD ist ein farb, geruchs- und geschmackloses Pulver, das bereits in kleinsten Dosierungen
wirkt.
Herstellung und Zusammensetzung
Das Mutterkorn, aus dem die Lysergsäure gewonnen wird, ist ein parasitärer Pilz,
der diverse Getreidearten (speziell Roggen) befällt. Albert Hofmann entdeckte 1938 die
Lysergsäure. Die starke halluzinogene Wirkung eines Derivates der Lysergsäure, nämlichdes
Lysergsäurediethylamids (kurz LSD), entdeckte derselbe Forscher 1943 während eines
Selbstversuchs. Die Firma Sandoz brachte es unter dem Namen Delysid® zur Unterstützung
von Psychotherapien auf den Markt. Da LSD schon in kleinsten Mengen (Mikro-grammbereich) wirkt,
ist es sehr schwer zu dosieren. Der in illegalen Drogenlaboren hergestellte Stoff wird mit
anderen Substanzen gemischt und in Tablettenform gepreßt. Erhältlich ist es als
Lösung auf Löschpapier, Pappen oder als kleine Gelantineecken, den sog. MICROS.
Auf diese Träger wird LSD i.d.R. geträufelt oder in Form von Kristallen
aufgetragen. Ein Trip kostet zwischen 15 und 30 DM. Die Wirkstoffmenge auf einer Pappe oder
in einem Micro variiert zwischen 25 und 400 Mikrogramm. Die durchschnittliche Dosis liegt bei
75 Mikrogramm und erreicht eine Wirkungsdauer von ca. 8-10 Stunden. Es wurde auch von Trips
berichtet, die bis zu 72 Stunden dauerten. LSD ist zur Zeit zusammen mit Speed und Ecstasy
ein Renner unter den Partydrogen.
Wirkungen
Akute Wirkungen des LSD-Konsums sind weite Pupillen, hoher Blutdruck, schnelle Atmung, Blutdruckanstieg
und ein geringeres Schlafbedürfnis, auch Übelkeit, Brechreiz und Schwindelgefühle
können auftreten. Offenbar beeinflußt LSD das biochemische Geschehen an den Schaltstellen
des Zentralennervensystems (ZNS).
Das Rauscherlebnis ist vor allem von der Dosierung und der körperlichen und seelischen
Verfassung des Konsumenten abhängig. Bei schlechten Konsumvoraussetzungen, wie etwa miese
Laune oder Depressionen, ist das Risiko eines Horror Trips relativ groß.
Diese
Horror-Trips gehen meist mit Panik, Todesängsten und Wahnvorstellungen einher.
Auch Überdosierungen können zu Horror-Trips und psychotischen Episoden
führen, wenn der Konsument dafür anfällig ist. Konsumenten sind dann vielfach
hilflos und haben Angst verrückt zu werden.
Die halluzinogene Wirkung beginnt circa eine halbe Stunde nach der Einnahme des Stoffes. Die Farbwahrnehmung, das Körpergefühl und die Perspektiven verändern sich. Musik und Geräusche werden sehr intensiv wahrgenommen. Konsumenten berichten immer wieder davon, daß sie Töne in Farben sehen oder Musik sogar fühlen könnten.
Teilweise kommt es zu Visionen, in denen ganz anderes wahrgenommen als tatsächlich gesehen wird. Das Raum-Zeit-Empfinden wird nahezu völlig ausgeschaltet. Es entsteht nicht selten ein Gefühl der Schwerelosigkeit. Diese Visionen werden bei guter Grundstimmung durchaus als angenehm und unterhaltsam empfunden. Gegen Ende des Rausches ist der Konsument erschöpft. Gelegentlich kommt es zu depressiven Phasen. In der subjektiven Wahrnehmung wird immer wieder von falschen Selbsteinschätzungen berichtet. So glauben Konsumenten im Rausch über Wasser gehen, ein Auto aufhalten oder fliegen zu können, und so ist es im Zusammenhang mit dieser verrückten Selbstwahrnehmung gehäuft zu schweren teilweise tödlichen Unfällen gekommen.
Weitere Gefahren liegen in den bereits erwähnten Horror-Trips sowie den sogenannten Acid-Heads (Säureköpfen). Sie können sich bei Dauerkonsum einstellen, wobei das Erinnerungsvermögen stark eingeschränkt wird und gute alte Bekannte zu unbekannten Verfolgern werden können. Gelegentlich wurde von Flashbacks berichtet, die sich ohne akuten Konsum eingestellt haben sollen. Da es sich beim LSD um einen fettlöslichen Stoff handelt, der geneigt ist im Körpergewebe Depots anzulegen, die sich wiederum nur langsam (im Verlaufe eines Jahres) auflösen, sind diese Flashback-Berichte durchaus ernst zu nehmen.